Die grüne Gitarre namens Kalla

In einem unauffälligen Haus mitten in der Stadt wohnte ein kleiner Junge. Er wohnte im ersten Stock und fand das Leben in dem Haus recht langweilig. Zwar hatte das Haus 20 Stockwerke, aber es wohnten nur langweilige Erwachsene in dem Haus.

Oben, unter dem Dach, hatte das Haus einen großen Speicher. Dort standen viele verstaubte Sachen herum, die niemand mehr brauchte: Sofas, Kisten, Schuhe, Regale, ein alter Ofen. Unter anderem stand da auch eine grüne Gitarre, die sich selbst den Namen “Kalla” gegeben hatte. Irgendjemand hatte sie vor Jahren dorthin gestellt - und seither stand sie da und wartete darauf, dass jemand sie holen würde und auf ihr Musik machen.

Eines Tages hatte die Gitarre Kalla genug. “Jetzt habe ich keine Lust mehr, hier zu verstauben und zu warten”, dachte sie. “Wozu bin ich denn hier? Um in einem modrigen Speicher zu verschimmeln? Wenn niemand kommt und auf mir Musik macht, dann mache ich es selbst!” Sie schüttelte den Dreck und Staub der Jahre von sich ab und begann ein Lied zu spielen. Huiii, machte das Spaß! Die Gitarre Kalla hatte schon fast vergessen, wie viel Spaß das machte, und sie spielte ein Lied nach dem anderen.

Nach einiger Zeit kamen die Mäuse hervor und schauten die Gitarre verwundert an. Was war denn das? Eine Gitarre, die von selbst spielte? Aber die Mäuse ließen sich nicht lange verwirren und begannen zu der schönen Musik zu tanzen.

So ging das von nun an jeden Abend. Die Gitarre fing an zu spielen, und die Mäuse tanzten dazu, bis sie vor Erschöpfung kichernd fast umfielen. Die Gitarre Kalla hatte große Freude daran, für die Mäuse zu spielen. Endlich hatte ihr Leben wieder einen Sinn!

Nie wird sie den lauen Frühlingsabend vergessen, als sie spielte - und plötzlich - huiiii - waren alle Mäuse verschwunden. Die Gitarre war sehr erstaunt (“daut”) und spielte das Lied zu Ende. Als sie fertig war, hörte sie, wie jemand in die Hände klatschte.

In der Tür zum Speicher stand der Junge, der es vor Langeweile in seiner Wohnung nicht mehr ausgehalten hatte und auf den Speicher geklettert war. “Das war toll”, rief er und klatschte in die Hände, “spiel noch ein Lied für mich!” Die Gitarre war räusperte sich und spielte “Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann”. Und dann “Auf der Mauer auf der Lauer sitzt ne kleine Wanze”.

“Wo sind die Mäuse hin?”, fragte der Junge. “Ich glaube, die haben Angst vor dir”, sagte die Gitarre. “Soll ich ihnen einmal rufen?”

Der Junge nickte begeistert. Die Gitarre schlug einen lauten Akkord an und rief: “Ihr Mäuse, ihr könnte wieder rauskommen - der Junge wird euch nichts tun!”

Nach und nach kamen die Mäuse vorsichtig aus ihren Löchern. Sie beschnupperten den Jungen und stellten fest, dass von ihm keine Gefahr ausging.

“Ich habe noch nie eine Gitarre gesehen, die von selbst spielen kann”, sagte der Junge. “Tja”, sagte die Gitarre und begann ein neues Lied zu spielen.

Die Mäuse und der Junge tanzten die ganze Nacht zu den Lieder der Gitarre Kalla, die an diesem Abend besonders schön spielte. Als die Zeit zum Schlafen gekommen war, verabschiedeten sich alle und der Junge ging in sein Bett und fand, dass das Leben doch gar nicht so langweilig war, wie er immer gedacht hatte.

Erzählt am 24.04.2010